Was ich immer wieder gefragt werde …

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Es gibt Fragen, die kommen immer wieder. Daher habe ich einige von ihnen hier zusammengestellt – mitsamt den Antworten (Stand Anfang 2018). Die Reihenfolge ist relativ zufällig. Am besten einfach alles durchlesen, damit beantworten sich auch Fragen, auf die Sie noch gar nicht gekommen sind!

Wie lange ist es im Winter hell?

Das kann man nicht pauschal beantworten – es ändert sich unglaublich schnell. Es hängt auch davon ab, wie dicht die Wolken sind und ob Schnee liegt. Selbst bei identischen Bedingungen ändert sich das jeden Tag um knapp fünf Minuten. Für den dunkelsten Tag (21. Dezember, Wintersonnenwende) gilt ungefähr, dass es gegen 12 Uhr richtig hell ist und gegen 15.30 Uhr wieder anfängt zu dämmern. Da bei uns mehrere Berge im Süden liegen, haben wir rund sechs Wochen keine direkte Sonne, aber das ist wieder ein anderer Punkt.

Umgekehrt ist es ungefähr von Anfang/Mitte Mai bis etwa Mitte/Ende August durchgehend hell – mit hell meine ich in dem Fall, dass es nachts nicht mehr „schwarz“ wird, sondern blau bleibt. Bis hin dazu, dass man durchgehend draußen die berühmte Zeitung lesen könnte.

Im Winter hast du bestimmt ganz viel Zeit und Ruhe, oder?

Das ist ein weit verbreitetes Missverständnis 😉 Im Winter brauchen Schafe und Pferde ihr Futter (im Sommer suchen sie es sich selbst), es liegt viel Schnee, es toben oft lebensgefährliche Schneestürme und dementsprechend ist alles viel aufwändiger, langwieriger und muss besser geplant werden als im Sommer. Und oft muss man eine eigentlich dringende Sache liegenlassen, weil man ganz schnell noch vor dem nächsten Schneesturm die Vorräte auffüllen muss. Oder einen Behelfszaun bauen, weil der eigentliche Zaun unter einer Schneewehe verschwunden ist … Oder irgendwelche Ritzen stopfen, durch die der Schnee in den Abstellraum hereinweht, damit der Strom und damit die Heizung und damit das heiße Wasser wieder in Gang kommt … usw.

Nicht zuletzt ist im Winter „Woll-Hochsaison“ (s. u.), ich dokumentiere und fotografiere und verkaufe die Vliese meiner Partnerbauern, die im Herbst scheren (weil ihre Schafe den Winter im Stall verbringen). Das ist ebenfalls aufwändig und nicht zuletzt logistisch eine Herausforderung, durch die Schneemassen die riesigen Wollsäcke ins Haus zu transportieren und dann wieder zurück ins Lager in Blönduós oder zur nächsten Mitfluggelegenheit.

(Aber natürlich nehme ich mir auch im Winter wie zu jeder anderen Jahreszeit Zeit und Ruhe fürs „einfach-nur-da-Sein“!)

Wie lange dauert bei euch der Winter?

Wenn man Winter mit „es können Schneestürme stattfinden“ definiert, dann dauert er bei uns ungefähr von Mitte September bis Mitte Mai.

Ich/mein Sohn/meine Tochter möchte in Island arbeiten/ein Auslandsjahr verbringen/ein Praktikum machen. Kannst du mir weiterhelfen?

Leider nicht. Denn wir selbst benötigen keine Praktikanten o. ä., außerdem wollen mittlerweile sehr viele junge Leute nach Island. Ich empfehle allen Suchenden, Facebook beizutreten (denn hier in Island ist FB das zentrale Austauschmedium aller Altersgruppen) und dann Mitglied in der Gruppe „Farm- and Aupairjobs in Iceland“ (klicken) zu werden. Dort bestehen gute Chancen, etwas Passendes zu finden.

Wie weit ist es bis zum nächsten Ort?

Ungefähr 20 km – in die andere Richtung knapp 30 km, dafür gibt es dort dann auch so gut wie alles, was ich brauche (auch den sogenannten „mittelfristigen Bedarf“). Der erste Ort hat rund 800 Einwohner, der zweite rund 2500.

Wie weit ist es in die Hauptstadt Reykjavík?

Knapp 300 km – je nachdem, wohin man möchte, dauert die Fahrt mit dem Auto rund dreieinhalb bis vier Stunden. Ich fahre so selten wie möglich in die sehr großstädtisch geprägte „Hauptstadtregion“.

Wie weit ist es bis zum nächsten Nachbarn?

Nur etwa 2 km; der nächste danach wohnt ca. 15 km entfernt. Die Siedlungsstruktur Islands besteht aus Einzelhöfen (wo die Landwirtschaft stattfindet) und vereinzelten Orten/Städten (ursprünglich meist Handelsorte, wo heute sowohl Handel, Dienstleistung als auch Bildung und Kultur stattfindet). Diese Orte sind alle höchstens rund 150 Jahre alt, nur Reykjavík ist etwas älter. „Der Isländer“ im ursprünglichen Sinn war viele Jahrhunderte lang Bauer auf einem Einzelhof, oft gleichzeitig Fischer, Jäger, Pfarrer, Schmied, Zimmermann, Arzt, Lehrer, Historiker und/oder Rechtsgelehrter. Aber fast immer Bauer, denn nur so konnte er sich im wahrsten Sinne des Wortes ernähren.

Das ist bis heute so – viele Bauern sind gleichzeitig in einem „akademischen“ Beruf tätig, daher ist das Bildungsniveau isländischer Bauern nicht vergleichbar mit dem in Mitteleuropa, wo schon im Mittelalter eine starke Arbeitsteilung betrieben wurde.

Hast du ein Auto?

Ja, einen kleinen Geländewagen, Baujahr 1996, wenn ich das richtig im Kopf habe. Auf jeden Fall robust und alt mit minimaler Elektronik („Scheinpannen“, die irgendein Fahrzeugcomputer erzeugt, finde ich überflüssig). Im Winterhalbjahr schafft es aber den schneebeladenen Weg zum Haus oft nicht, in dem Fall steht es rund 800 m entfernt in der Nähe der großen Straße. Aber ich habe ja einen guten Rucksack und hinter sich herziehen kann man große und schwere Sachen meist auch, selbst wenn es gelegentlich steiler wird 😉 Und wenn es ganz krass kommt, hilft natürlich auch mein Nachbar mit seinem „Fuhrpark“ bestehend aus großem Geländewagen, mehreren Traktoren, Sechsrad (was man in Deutschland Quad nennt, aber mit 6 Rädern) oder auch Motorschlitten.

Wie viele Schafe hast du?

Rund 50, davon haben rund 40 einen Paten in Deutschland oder der Schweiz. Davon 19 „Wollhammel“.

Wie viele Pferde hast du?

4. Plus 2 „Dauergäste“ einer guten Freundin.

Was hast du für einen Hund?

Einen Border Collie (er hütet sowohl die Pferde als auch die Schafe und ist außerdem sehr wachsam …).

Sind die Pferde und die Schafe wirklich den ganzen Winter draußen?

Ja. Die Schafe können jederzeit in den Stall (was sie aber nur selten nutzen), die Pferde haben keinen Stall, aber eine Windschutzwand zusätzlich zu den normalen „natürlichen“ windgeschützten Stellen.

Schafe und Pferde sind im Gegensatz zu Menschen keine Höhlentiere, sondern Steppentiere. Sie wollen viel Platz und freie Sicht. Und sie sind seit mehr als tausend Jahren an das isländische Winterklima angepasst, das Fell bzw. die Wolle schützt optimal. Rehe oder Wildschweine leben ja auch den ganzen Winter draußen 😉

Wie groß ist dein Grundstück?

Ungefähr 620 Hektar. Also etwa 6,2 Quadratkilometer. Es war preiswert – vermutlich bekäme man in München oder Hamburg dafür noch nicht einmal 6,2 Quadratmeter 😉

Wie groß ist dein Haus?

Grundfläche: 26 Quadratmeter plus 1,5 Quadratmeter Abstellräumchen.

Wohnst du ganz allein dort?

Nein.

Was sind deine beruflichen Standbeine?

Die wichtigsten sind:

  • meine Bücher und DVDs über Pferde, Schafe, Hunde und andere „isländische Themen mit Bezug zum ländlichen Raum“, die ich auch selbst verlege: Verlag Alpha Umi
  • das Islandwollprojekt, das hochwertige Wolle direkt vom Islandschaf an Wollbegeisterte in Mitteleuropa vermittelt; Ziel ist es, dass die Schafbauern auch für nichtweiße Wolle gut bezahlt werden – damit wird die genetische Vielfalt gestärkt (denn die Wollindustrie propagiert „nur weiße Schafe“)
  • im Rahmen dieses Projekts gebe ich gelegentlich Workshops rund um Rohwollverarbeitung „vom Schaf bis zum Garn“ in Deutschland und in der Schweiz
  • ebenfalls im Rahmen dieses Projekts biete ich rund um den Schafsabtrieb Anfang September die jährliche Schaf-Woll-Woche für alle an, die hinter die Kulissen schauen und außerdem viel Praktisches lernen wollen

Hast du Internet?

Klar. Es läuft sogar eine Glasfaserleitung durch mein Land (die weitaus meisten Haushalte in Island haben mittlerweile oder auch schon länger Glasfaser), aber leider darf ich sie nicht „anzapfen“, da sie eine Hauptleitung ist. Daher nutze ich einen 3G-USB-Funkstick mit guter Geschwindigkeit (eine Sendestation für GSM-Signale steht zufällig auch auf meinem Berg).

Hast du Strom?

Ja. Sogar dreiphasigen.

Hast du eine Waschmaschine?

Ja. Ich brauche meine Zeit für meiner Ansicht nach wichtigere Dinge – und wenn es „nur“ das ist, mit meinem Hund auf einem Grashügelchen zu sitzen und die Schafe zu beobachten … Einen Trockner habe ich nicht, meiner Meinung nach ein überflüssiger Energiefresser (denn während die Wäsche auf der Leine hängt, kann ich andere Dinge tun). Ansonsten habe ich an „Haushaltselektrogeräten“ einen Fön, einen Herd mit 2 Platten und Backofen (keine Mikrowelle), einen Mixer und einen Mixstab. Ach ja, und einen Staubsauger, einen Kühlschrank, einen Gefrierschrank, eine „gute alte“ Kaffeemaschine und einen Wasserkocher …

Wie funktioniert die Wasserversorgung?

Wie überall auf dem Land habe ich meine eigene Quelle – oben im Berg, ca. 800 m vom Haus entfernt, rund 40 Liter pro Minute, also viel mehr, als ich verbrauche. Das Wasser wird nicht aufbereitet und schmeckt fantastisch.

Das Abwasser wird über einen eingegrabenen Tank „entsorgt“ (ebenfalls wie überall auf dem Land), der alle drei Jahre geleert wird.

Backst du Brot selbst?

Ja. Ich habe auch eine eigene Getreidemühle.

Machst du Milchprodukte selbst?

Ja, allerdings nicht immer. Wenn, dann gehören Sauermilch, Butter und Quark ( = Skyr) samt Buttermilch und Molke bzw. Molkenkäse zum Standard. Wenn ich Milchprodukte kaufe, dann aber nur die „Grundvariante“, also ohne Geschmacks- oder Zuckerzusätze, und Käse.

Baust du Gemüse an?

Nicht mehr. Früher in Hegranes habe ich Kartoffeln und Tomaten angebaut. Aber erstens wäre es sehr aufwändig, hier richtigen Mutterboden „herzustellen“, noch dazu mit dem passenden Windschutz, zweitens müsste ich ständig bewässern, drittens gibt es fantastische Kartoffeln und Tomaten auch „einfach so“ im Supermarkt (isländisches Gemüse ist fast immer quasi wie aus „Bio-Anbau“) oder ich bekomme welche von Freunden geschenkt, viertens investiere ich diese Zeit lieber in die Schafe oder etwas anderes, was mir wichtig ist. (Eine zentrale Erkenntnis: Echtes Selbstversorgen ist so zeitaufwändig, dass man zu wenig Zeit zum Geldverdienen hat und ohne Geld funktioniert das heutige Leben nicht – auch wenn meine Ansprüche äußerst gering sind.)

Angelst du?

Nein, obwohl ich auch einen Fluss besitze. Aber mein Nachbar angelt und ein guter Freund ist Seemann, da bekomme ich genug guten Fisch geschenkt.

Kann man bei dir Urlaub machen?

Nur im Rahmen der Schaf-Woll-Woche (s. o.) – und auch spontane Besuche sind leider nicht möglich. Denn ich habe sehr viel zu tun und schon für meine guten Freunde manchmal zu wenig Zeit. Daher muss ich Prioritäten setzen.


Diese Liste wird nach Bedarf erweitert – wer eine weitere Frage stellen möchte, deren Antwort vielleicht auch andere Menschen interessiert, kann sich gern melden!